Der EU AI Act ist da – und 2026 wird das entscheidende Jahr für die Umsetzung. Während einige Verpflichtungen bereits seit Februar 2025 gelten, treten ab August 2026 die umfassendsten Regelungen in Kraft. Höchste Zeit, sich vorzubereiten! Hier erfahren Sie, was auf österreichische Unternehmen zukommt und wie Sie rechtssicher handeln.
Die wichtigsten Fristen im Überblick
Der AI Act gilt stufenweise. Diese Meilensteine sollten Sie kennen:
- 2. Februar 2025 (bereits in Kraft!): Verbot inakzeptabler KI-Systeme + KI-Kompetenz-Pflicht für alle Mitarbeiter, die mit KI arbeiten
- 2. August 2025 (bereits in Kraft!): Transparenzpflichten für generative KI (z.B. ChatGPT, Midjourney)
- 2. August 2026: Vollständige Anwendung aller Bestimmungen für Hochrisiko-KI-Systeme und General-Purpose AI
- 2027: Zusätzliche Fristen für bestimmte Hochrisiko-Systeme
Die vier Risikoklassen: Wo steht Ihr Unternehmen?
1. Inakzeptables Risiko – VERBOTEN
Diese KI-Anwendungen sind seit Februar 2025 in der EU untersagt:
- Social Scoring (Bewertung von Personen aufgrund sozialen Verhaltens)
- Biometrische Kategorisierung nach sensiblen Merkmalen (Religion, politische Überzeugung, sexuelle Orientierung)
- Manipulation von menschlichem Verhalten, insbesondere von Kindern
- Emotionserkennung am Arbeitsplatz oder in Bildungseinrichtungen
- Predictive Policing durch Profiling
2. Hohes Risiko – STRENG REGULIERT
Für diese Anwendungen gelten ab August 2026 umfassende Pflichten:
- KI in kritischen Infrastrukturen (Energie, Verkehr, Wasserversorgung)
- Biometrische Identifikation
- Bewerberauswahl und HR-Entscheidungen
- Kreditvergabe und Bonitätsprüfung
- Medizinische Diagnostik
- Strafverfolgung und Rechtsprechung
Anforderungen für Hochrisiko-KI:
- Umfassendes Risikomanagement-System
- Detaillierte Dokumentation und Aufzeichnungen
- Transparenz gegenüber Nutzern
- Menschliche Aufsicht (Human Oversight)
- Robustheit, Genauigkeit und Cybersicherheit
- Konformitätsbewertung vor Markteinführung
3. Begrenztes Risiko – TRANSPARENZPFLICHT
Seit August 2025 gilt: Nutzer müssen wissen, dass sie mit KI interagieren!
- Chatbots müssen sich als KI zu erkennen geben
- KI-generierte Bilder, Videos, Audio müssen gekennzeichnet sein
- KI-generierte Texte im öffentlichen Kontext müssen als solche markiert werden
4. Minimales Risiko – KEINE BESONDEREN PFLICHTEN
Die meisten KI-Anwendungen fallen in diese Kategorie:
- Spamfilter
- Videospiele mit KI
- Empfehlungssysteme im E-Commerce
- Einfache Automatisierungen
KI-Kompetenz-Pflicht: Was Sie jetzt tun müssen
Seit Februar 2025 müssen alle Mitarbeiter, die mit KI-Systemen arbeiten, über entsprechende Kompetenzen verfügen. Das bedeutet:
- Schulungen durchführen: Interne oder externe KI-Trainings für betroffene Teams
- Dokumentieren: Nachweise über durchgeführte Schulungen aufbewahren
- Aktuell bleiben: KI entwickelt sich rasant – regelmäßige Weiterbildung ist Pflicht
Ihr Fahrplan zur AI-Act-Compliance
Schritt 1: Bestandsaufnahme
- Welche KI-Systeme setzen wir ein?
- Entwickeln wir selbst KI oder nutzen wir Drittanbieter?
- Welche Rolle haben wir (Anbieter, Betreiber, Händler)?
Schritt 2: Risikobewertung
- Klassifizieren Sie jedes System nach Risikoklasse
- Dokumentieren Sie Verwendungszweck und Datenflüsse
- Identifizieren Sie mögliche Grundrechtsrisiken
Schritt 3: Governance aufbauen
- Benennen Sie einen KI-Verantwortlichen oder KI-Beauftragten
- Erstellen Sie KI-Richtlinien und Prozesse
- Implementieren Sie ein Risikomanagement-System
Schritt 4: Schulung & Dokumentation
- Schulen Sie alle relevanten Mitarbeiter
- Dokumentieren Sie Schulungen und Kompetenznachweise
- Erstellen Sie technische Dokumentation für Hochrisiko-Systeme
Schritt 5: Compliance-Monitoring
- Überwachen Sie kontinuierlich die Einhaltung
- Aktualisieren Sie Risikoanalysen regelmäßig
- Bleiben Sie über neue Entwicklungen informiert
Österreichische KI-Servicestelle: Ihre Anlaufstelle
Die RTR (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH) betreibt die offizielle KI-Servicestelle für Österreich. Hier finden Sie:
- Umfassende Informationen zum AI Act
- Praxisleitfäden und Checklisten
- Beratung bei konkreten Fragen
- Informationen zu Meldepflichten
Chancen erkennen: AI Act als Wettbewerbsvorteil
Der AI Act mag zunächst wie eine Hürde erscheinen, bietet aber auch Chancen:
- Vertrauen aufbauen: Compliance schafft Vertrauen bei Kunden und Partnern
- Qualität steigern: Systematisches Risikomanagement verbessert KI-Systeme
- Innovation fördern: Klare Regeln schaffen Rechtssicherheit für Investitionen
- Marktchancen nutzen: EU-konforme Lösungen können europaweit vertrieben werden
Unternehmen, die frühzeitig eine durchdachte KI-Strategie entwickeln und den AI Act proaktiv umsetzen, werden langfristig wettbewerbsfähiger sein.
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